Chapter 2
Erster Gesang Teil 2 von Achilleis Diese LibriVox-Aufnahme ist in öffentlichem Besitz. Achilleis von Johann Wolfgang von Goethe Erster Gesang Teil 2 Aber Thetis erschien, die göttliche, trauernden Blickes,
Vollgestaltet und groß, die lieblichste Tochter des Nehraus. Und zu Heere, sogleich gewendet, sprach sie das Wort aus, Göttin, nicht weggekehrt, empfang mich, lane, gerecht sein, Denn ich schwör es bei jenen, die unten im Tataras wohnend, Sitzen um Kronos umher und über der stügischen Quelle,
Späte Rächer der einst des falschgesprachenen Schwures. Nicht her bin ich gekommen, damit ich heme des Sohnes Nur zu gewisses Geschick und den traurigen Tag ihm entferne. Nein, mich treibe terauf aus des Meeres pur pur Bausung Unbezwinglicher Schmerz, ob in der olympischen Höhe
Irgendi schlindern möchte die jammervolle Beängstung. Denn mich ruft der Sohn nicht mehr an, er stehet am Ufer, Mein vergessend und nur des Freundes sehnlich gedenkend, Der nun vor ihm hinab in des Eis dunkle Bausung stieg, Und dem er sich nach selbst hin zu den Schatten bestrebet.
Ja, ich mag ihn nicht sehen, nicht sprechen, Hülf es, einander unvermeidliche Not zusammen jammernd zu klagen. Heftig wandte Heere sich um und fürchterlich blickend, Sprach sie voller Verdross zur traurigen, kränkende Worte. Gleisnerin, unerforschte, dem Meer gleich, das dich erzeugt hat,
Trauen soll ich und gar mit freundlichem Blick dich empfangen, Dich, die tausendfach mich gekränkt, wie sonst, so vor kurzem, Die mir die edelsten Krieger zum Tod befördert, Um ihres Sohns unerträglichem Sinn dem Unvernünftigen zu schmeichern. Glaubst du, ich kenne dich nicht und denke nicht jenes Beginnens,
Da dir als Bräutigam schon, Kronion, herrlich hinabstieg, Mich, die Gattin und Schwester, verließ, Und die Tochter des Neereus, Himmelskönigin, hoffte zu sein, Entzündet von Hochmut. Doch wohl kehrt er zurück, der göttliche, von des Titanen,
Weiser Sage geschreckt, der aus dem verdammlichen Bette Ihm den gefährlichsten Sohn verkündet. Prometheus verstand es, denn von dir und dem staplichen Mann Ist entsprungen ein Untier an der Chimera-Stadt des Erde verwüstenden Drachens. Hätte ein Gott ihn gezeigt, wer sicherte Göttern den Äther,
Und wie jener die Welt verwüstete, dieser den Himmel. Und doch seh ich dich nie herannahm, das nicht erheitert, Der der Kronide winkt und leicht an der Wange dir streichelt, Ja, dass er alles bewilligt, der Schreckliche, mich zu verkürzen. Unbefriedigte Lust wälgt nie in den Busen des Mannes.
Und die Tochter versetzte des wahrhaft sprechenden Nerois. Grausame, welcherlei Rede versendest du, Pfeile des Hasses! Nicht verschonst du der Mutterschmerz, den schrecklichsten aller, Die das nahe Geschick des Sohnes bekümmert umherklagt. Wohl erführst du nicht, wie dieser Jammer im Busen wütet
Des staplichen Weibes sowie der unstaplichen Göttin. Denn von Kronion gezeugt umwohnen dich herrliche Söhne, Ewig rüstig und jung, und du erfreust dich der Hohen. Doch du jammertest selbst in ängstliche Klagen ergossen Jenes Tags, da Kronion erzohnt, den treuen Hephaistas
Deinetwegen hinab auf Lemnos Boden geschleudert Und der herrliche Lag an dem Fuße verletzt wie ein Erdsohn. Damals schriehst du laut zu den Nymphen der schattigen Insel, Riefest den Päorn herbei und wachtetest selber des Schadens. Ja, noch jetzt betrübt dich der Fehl des hinkenden Sohnes.
Eilt er geschäftig umher, wohlwollend, Daß er den Göttern reiche des köstlichen Tranks Und trägt er die goldene Schale schwankend, ernstlich besorgt, Damit er nicht etwa vergieße und unendlich gelächter entsteht Von den seligen Göttern.
Immer zeigst du allein dich ernst und nimmst dich des Sohnes an. Und ich suchte mir nicht des Jammers gesellige Lindrung heute, Da mir der Tod des harlischen Einsken bevorsteht. Denn mir hat es zu fest der graue Vater verkündet, Nereus, der wahre Mund des künftigen göttlicher Forscher.
Jenes Tages, als ihr versammelt, ihr ewigen Götter, Mir das erzwungene Fest des sterblichen Mannes' Umarmung In des Pälions' Wäldern hernieder steigend gefeiert, Damals kündete gleich der Greis mir den harlischen Sohn an, Vorzuziehen dem Vater, denn allso wolle es das Schicksal.
Doch er verkündet zugleich der trauigen Tage Verkürzung, Allso wälzten sich mir die eilenden Jahre vorüber, Unaufhaltsam den Sohn zur schwarzen Facht des Ais drängend. Was half mir die Kunst und die List? Was die läuternde Flamme? Was das weibliche Kleid, den edelsten Rössen zum Kriege,
Unbegrenzte Begier nach Ruhm und die Bande des Schicksals? Traurige Tage hat er verlebt, sie gehen zu Ende gleich. Mir ist sie bekannt des hohen Geschickes Bedingung. Ewig bleibt ihm gesicherter Ruhm, doch die Waffen der Kehren Drohen ihm nah und gewiss. Ihn rettete selbst nicht Cronion.
Allso sprach sie und ging und setzte sich Leto zur Seite, Die ein mütterlich Herz vor den übrigen Oranionen hegt im Busen, Und dort genoss sie die Fülle des Schmerzes. Ernst nun wandte Cronion und Müll Sein göttliches Antlitz gegen die Klagende hin,
Und väterlich allso begann er. Tochter, soll dich von dir der Lästerung heftige Worte Jemals im Ohr vernehmen, wie sie ein Titan Wohl im Unmut ausstößt gegen die Götter, Die hoch den Olympas beherrschen.
Selber spresst du dem Sohn das Leben ab, Törricht verzweifelt, Hoffnung bleibt mit dem Leben vermehrt, Die schmeichende Göttin, angenehm vor vielen, Die als getreue Dämonen mit den staplischen Menschen Die wächsenden Tage durchwallen.
Ihr verschließt sich nicht der Olymp, Ja, selber des Aes grause Wohnung eröffnet sich ihr, Und das ihrne Schicksal lächelt, Wenn sie sich ihm die Halde schmeichlerisch andrängt. Gab doch die undurchdringliche Nacht,
Atmetos gemahlen, meinem Sohne zurück, dem Unbezwingbaren. Stieg nicht Prothesi Laos herauf, Die trauernde Göttin umfangend, Und erweichte sich nicht per Sefone, Als sie dort unten hörte des Orfeuils Gesang
Und unbezwingliche Sehnsucht. Wart nicht, als Klepios Kraft von meinem Strahle gebändigt, Der verwegen genug, die Toten dem Leben zurück gab. Selbst für den Toten hofft der Lebende. Willst du verzweifeln, da der Lebendige noch das Licht der Sonne genießt?
Nicht ist festumzäunt die Grenze des Lebens. Ein Gott treibt, ja, es treibt der Mensch sie zurück. Die Kehren des Todes. Darum lass mir nicht sinken den Mut. Bewahre vor Frevel deine Lippen
Und schleuß dem feindlichen Spotte dein Ohr zu. Oft begrub schon der Kranke den Arzt, Der das Leben ihm kürzlich abgesprochen. Genesen und froh der beleuchtenden Sonne. Drängelt nicht oft Poseidon den Kiel des Schiffes gewaltig
Nach der verdarplichen Sucht und spaltet Planken und Rippen. Gleich entsinkt das Ruder der Hand Und des bergstenen Schiffes Trümmer von Männern gefasst, Zerstreut der Gott in den Wogen. Alle will er verdarben, doch rettet manchen der Dämon.
So auch weiß mich düngt kein Gott noch der Göttinnenerste, Wem von Ilios Feld Rückkehr nach Hause bestimmt sei. Also sprach er und schwieg, daß die göttliche Heere Schnell vom Sitze sich auf und stand, Wie ein Berg in dem Meer steht,
Dessen erhabene Gipfel des Äthers Wetter umleuchten. Zonend sprach sie und hoch die einzige wodigen Wesens. Schrecklicher, wankend gesinnter, was sollen die täuschenden Worte? Sprechest du mich zu reizen etwa und dich zu ergötzen, Wenn ich zone, mir so vor den himmlischen Schmach zu bereiten?
Denn ich glaube wohl kaum, daß ernstlich das Wort dir bedacht sei. Ilios Feld, du schwurst es mir selbst, Und die Winke des Schicksals deuten alle dahin. So mag dennoch fallen Achilleus, er, der Beste der Griechen, Der würdige Liebling der Götter.
Denn wer im Wege steht dem Geschick, Das dem endlichen Ziele furchtbar zueilt, Stürzt in den Staub, ihn zerstampfen die Rosse, Ihm zerquetscht das Rad des Ehrenen Heiligen Wagens. Also achte ich es nicht, wieviel du auch Zweifel erregst,
Jene vielleicht zu erquicken, die weich sich den Schmerzen dahin gibt. Aber dies sag ich dir doch, und nimm dir solches zu achzen. Willkür bleibt ewig verhasst den Göttern und Menschen, Wenn sie in Taten sich zeigt, auch nur in Wachten sich kundgibt. Denn so hoch wir auch stehen, so ist der ewigen Götter,
Ewigste, themis allein, und diese muss dauern und walten, Wenn dein Reich, der einst, so spät es auch sei, Der Titanen übermächtiger Kraft der lange Gebändigten weichet. Ende von ERSTAR GESANG Teil 2