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from Auf Schneeschuhen durch Grönland Band 2 by Fridtjof Nansen — automated transcript, may contain recognition errors.

Abschnitt 15 aus Auf Schnee schon durch Grönland, Band 2. Dies ist eine LiebeWox-Aufnahme. Alle LiebeWox-Aufnahmen sind lizenzfrei und in öffentlichem Besitz. Weitere Informationen und Hinweise zu Beteiligungen an diesem Projekt gibt es auf LiebeWox.org. Auf Schnee schon durch Grönland, Band 2. Von Friedjof Nansen übersetzt von Mathilde Mann.

Kapitel 15. Die vier Zurückgelassenen im Austmannertal und ihren Erlebnisse. Teil 2. Zwischen der Landzunge, auf der wir uns befanden, und unserem Lagerplatz, ragte ein steiler, hoher Felsempor, den wir erklemmen mussten, um an das Zelt zu gelangen. Oben angelangt gab ich den Kameraden ein Zeichen.

Sie stürzten aus dem Zelt heraus, und als sie meine Begleiter erblickten, begriffen sie sofort, dass sie Abgesandte unserer vor zehn Tagen abgereisten Genossen seien, weshalb sie meinen Ruf mit einem Freudengeheul beantworteten. Ich war ausgegangen, um nach Will zu suchen, aber obwohl ich das Gesuchte nicht fand, bin ich doch niemals mit einer willkommeneren Jagdbeute heimgekehrt als an jenem Tage.

Am Lagerplatz angelangt, platzierten wir uns alle um die von den Grönländern mitgebrachten Sachen. Zuerst las ich Nansens Brief laut vor. Er enthielt nur erfreuliche Kunde, mit Ausnahme der Nachricht, dass wenig Aussicht für uns vorhanden sei, noch in diesem Jahr nach Europa zurückzukehren. In unserem Freudenrausch hatten wir für diesen Kummer kaum Gedanken.

Dann ging es an das Auspacken der Pakete, und neugierig wie Kinder, die den Weihnachtstisch umstehen, öffneten wir eins nach dem anderen. Wir erfreuten uns an dem Anblick aller der guten Sachen, die uns gesandt waren. Brot, Fleisch, Kaffee, Tabak. Den größten Jubel aber erregte der reichliche Vorrat an Butter und Speck,

denn wir hatten den Mangel an Fettwaren sehr empfunden, auch an Delikatessewaren fehlte es nicht, indem die dänischen Damen in Gotthap uns mit Kuchen und Süßigkeiten bedacht hatten. Wir machten uns sofort ans Essen, und wohl niemals hat einer von uns so in Fettstoff geschwägt, wie wir an jenem Tage.

Wir waren förmlich wild darauf. Waldo schildert diese Szene folgendermaßen. Nachdem Dietrichsson mit seinen Karkes in der Tasche fortgegangen war, stieg ich auf eine Feldspitze, die 300 Fuß hoch war. Sobald ich hinaufkam, erblickte ich drei Männer, die mir entgegenkamen.

Den einen Mann kannte ich. Es war Dietrichsson, der die Männer getroffen hatte, welche von Gotthap ausgesandt waren, um uns Proviant zu bringen. Ich lief gleich nach dem Zelt und erzählte den beiden, die im Zelt waren, dass ich Leute kommen sehe.

Die beiden glaubten das nicht. Aber ich holte trockenes Holz, machte Feuer an, holte Wasser und füllte den Kaffeekessel und setzte ihn aufs Feuer, ehe die Leute kamen, denn ich dachte mir, dass sie Kaffee bei sich haben würden. Gleich nachdem sie ins Zelt gekommen waren, untersuchte Dietrichsson,

was für Nahrungsmittel sie uns aus Gotthap gesandt hatten. Ich sah, dass Nansen mir eine Pfeife und Tabak geschickt hatte. Sofort nahm ich die Pfeife und den Tabak in die Hand und fing an zu rauchen. Die anderen fingen an zu essen. Das Brot wurde in fingerdicke Stücke geschnitten

und ein halber Zoll Butter auf das Brot gelegt. Und dazu aßen wir noch Schweinefleisch und tranken Kaffee dazu. Während wir noch mit der Mahlzeit beschäftigt waren, fährt Dietrichsson fort, vernahmen wir abermals einige Schüsse in der Richtung der Landzunge,

wo ich die beiden Grönländer getroffen hatte. Und bald darauf wurden zwei Männer auf der vorhin erwähnten Höhe zwischen der Landzunge und unserem Lagerplatz sichtbar. Sie kamen zu uns herab und überreichten uns Briefe aus Ummanak und von dem Koloniedirektor Bistrup und von einem Grönländer,

Buchdrucker Möller, beide aus Gotthap und auf Besuch in Ummanak, sowie einen von dem deutschen Missionar des Ortes, Herrn Heinke. Außer diesen Briefen brachten sie uns auch Erfrischungen von Herrn Bistrup und Herrn Heinke mit.

Es war uns eine große Freude, diese Briefe zu empfangen, denn die warmen und herzlichen Worte, in denen sie abgefasst waren, zeigten uns, dass wir bald zu Leuten kommen würden, die sich aufrichtig über unsere Ankunft freuten und die uns mit offenen Armen empfangen würden.

Wir lohnen unsere Gäste ein, in unser Zelt zu kommen, damit sie sehen konnten, wie es bei uns aussah. Als sie unsere Schlafsäcke sahen, zeigten die zuletzt angekommenen Grönländer erst auf sich selbst, dann auf die Schlafsäcke,

legten die Hand an die Wange und schlossen die Augen. Dann zeigten sie auf das Zelt und auf alles, was darin war, machten eine Gebärde, als wenn sie es auf den Rücken legten und winkten dann mit der Hand über den Fjord. Hieraus verstanden wir, dass sie bei uns übernachten

und dass wir sie dann nach der Kolonie begleiten sollten. Die mitgebrachten Sachen hatten sie noch in den Kajaks draußen an der Landstunge liegen, weswegen Christiaanzen und Balto sich anschickten, sie dort hinaus zu begleiten, um alles herbeizuholen. Als auch Nansens boten, Minemachten sich zu entfernen,

brachte ich aus ihnen heraus, dass sie gleich nach Gotthard zurückkehren sollten. In aller Eile setzte ich nun einige Worte an Nansen auf, ihm für die übersandten Waren dankend und ihm in aller Kürze von unserem Agen berichtend.

Als die Gefährten mit der neuen Proviantsendung anlangten, fand abermals ein feierliches Ausparken statt. Die verschiedenen Gegenstände wurden, während sie aus ihren Hüllen zum Vorschein kamen, laut aufgerufen und als der eine Brandwein, der andere Zucker

und ein dritter Lichter rief, waren wir uns sogleich darüber einig, den Abend mit einem Glaset Grok im Zelte feierlich zu begehen. Es war bereits spät am Nachmittag, deshalb machten wir uns gleich daran, einen Punsch zu brauen. Wie viel Wasser? fragte der eine.

Ach, wir müssen wohl so viel machen, dass jeder zwei Becher vollbekommt, antwortete ich. So wurde denn das Wasser gekocht und Zucker und Brandwein hineingetan. Seit wir den Jason verließen, waren keine Spirituosen über unsere Lippen gekommen.

Jetzt waren aber die Strapazen überstanden und wir konnten getrost den erhaltenen Brandwein genießen. Einen starken Grok hätten wir wohl kaum vertragen können. Den, der hier serviert wurde, konnten wir ruhig trinken, ohne befürchten zu müssen, dass er uns zu Kopf steigen würde,

denn Balto hatte unglaublich viel Wasser hineingetan und wir hatten nur wenig Brandwein. Das Schlimmste war aber doch, dass sich der Brandwein schließlich als Aquavitel entpuckte. Trotzdem schmeckte er uns ausgezeichnet.

Balto, ein Kenner in solchen Dingen, sagt in seiner Beschreibung, dass der Punsch dünne werden muss, wenn man von einer Flasche Aquavit sechs Flaschen Punsch macht. Es schmeckte nach nichts. Auch an Zigarren fehlte es nicht

und aus diesen entsanden wir mächtige Rauchsäulen in das Zelt, als wenn wir so schnell wie möglich das Versäumte nachholen wollten, denn mit dem Tabak war es die ganze Zeit hindurch sehr schlecht bestellt gewesen, sodass einzelne Mitglieder der Expedition schließlich versucht hatten, ihn durch Werk zu ersetzen, die sie in die Pfeifen stopften.

Nansen schrieb, er und Sveerdrup lebten bei dem Kolonialdirektor in Gotthap wie die Prinzen. Aber wir fühlten uns in diesem Augenblick nicht minder wohl und wir waren uns alle darüber einig, dass es der gemütlichste Abend sei, den wir im Zelt verbracht hatten, denn das Bewusstsein, dass unsere beiden Kameraden

glücklich bis an bewohnte Städte vorgedrungen waren und dass wir täglich die nach uns ausgesandten Boote erwarten konnten, sowie der Umstand, dass wir so reichlich mit Speise und Trank versehen waren, hatte sämtliche früheren Leiden verwischt, sodass wir jetzt alles nur noch im rosigsten Lichte erblickten.

Wir wohnten nun wieder zu Sechsen im Zelt, diesmal aber waren drei Nationen vertreten. Unsere Gesellschaft bestand aus zwei Grönländern, zwei Lappen und zwei Norwegern, die alle ihre eigene Zunge sprachen,

ohne von den anderen verstanden zu werden, mit Ausnahme der Lappen, denn Balto und auch zum Teil Ravna verstanden und sprachen Norwegisch. Obwohl infolgedessen eine fast babilonische Sprachverwirrung im Zelt herrschte, war die Unterhaltung dennoch eine sehr lebhafte.

Und es wurde uns gar nicht so schwer, uns miteinander verständlich zu machen, denn außer zu zeichen, nahmen wir unsere Zuflucht zu einem grönländischen Wörterbuch und einer Sprachlehre, die wir mitgebracht hatten. Unsere beiden Gäste,

Peter, ein vorzüglicher Fänger aus Gotthap, und Silas, ein tüchtiger Rentierschütze aus Umanak, waren begabte und wohlunterrichtete Grönländer, die nicht nur schreiben und lesen, sondern auch zeichnen konnten. Ihre Risse von der Wohnung des Kolonialdirektors in Gotthap,

wie von dem Hause des deutschen Missionars in Umanak, waren so vortrefflich, dass wir die Gebäude später, als wir sie erblickten, sofort erkennen konnten. Wir befanden uns an diesem Abend so wohl in unserem Zelt,

dass es lange wehrte, ehe wir uns zur Ruhe begaben. Christiansen, Balto und ich krochen in den einen Schlafsack, Ravner und die beiden Grönländer in den anderen. Die Lichter wurden ausgelöscht und wir legten uns schlafen. Es sollte jedoch noch eine ziemliche Zeit vergehen,

ehe wir einschliefen, denn kaum waren wir zur Ruhe gegangen, als unsere beiden Gäste anfingen, geistliche Lieder zu singen. Nachdem der dritte Gesang beendet war, beteten sie ein Vater unser.

Dies war die Abendandacht, die sie des Sonntags hielten, ehe sie sich zur Ruhe begaben. Ich nehme wenigstens an, dass sie die Andacht hielten, weil es ein Sonntag war, oder etwa auch, weil sie sich zwischen lauter fremden Menschen befanden

und sich möglicherweise nicht ganz sicher fühlten. Als wir am nächsten Abend vergebens auf eine Wiederholung dieses Gesanges gewartet hatten, warten wir sie schließlich zu singen. Sie waren jedoch nicht dazu zu bewegen.

Am folgenden Morgen ging Silas auf die Renterjagd. Dietrichsson hatte große Lust, ihn zu begleiten, wollte aber die Gefährten nicht im Stich lassen, die an diesem Tage damit begannen, die Sachen von dem Zeltplatz weiter auf die Landzunge hinauszuschaffen.

In seinem Tagebuchbericht fährt Dietrichsson fort. Während einer unserer einfachen Mahlzeiten auf dem Inlandseis war einmal die Rede darauf gekommen, welches Gericht sich ein jeder von uns in diesem Augenblick wünsche. Wir empfanden den Mangel an Fettstoff sehr,

deswegen wurden wir uns sämtlich darüber einig, dass wir das größte Verlangen nach Buttergrütze, S'mörgrött, hatten, und Nansen versprach uns, dass wir dieses Gericht haben sollten, sobald wir nach Gotthab gelangten.

Unter allen den guten Dingen, die er uns gesandt hatte, befand sich dann auch Butter und Weizenmehl, so dass wir nun in Stand gesetzt waren, diese oft von uns besprochene Speise zu bereiten. Unsere erste warme Mahlzeit nach Empfang der Proviantsendung

bestand deswegen aus Buttergrütze, und der Appetit ließ dann auch nichts zu wünschen übrig. Wir regten im Anfang einige Bedenken, unseren Hunger völlig zu befriedigen, da wir glaubten, dass es nicht so ganz gesund sein könne,

da wir längere Zeit hindurch sehr knapp und ausschließlich von konzentrierten Esswaren gelebt hatten, die den Magen nicht füllten, und nach deren Genuss man sich folglich nicht satt fühlen konnte. Dann aber dachten wir,

ach was, wir haben so viel ertragen, da werden wir auch dies wohl ertragen können, und hieben aus allen Kräften ein. Wir lagen noch im Gras und steckten unsere Glieder nach der Mahlzeit, als wir unseren Freund Silas oben auf den Hügel erblickten.

Er kam auf das Zelt zu, etwas Großes, Schweres auf dem Rücken schleppend. Sollte das wirklich ein Rentier sein? Einige meinten ja, andere nein. Da sahen wir aber das Rentiergeweih über seine Schulter ragen,

und nun war kein Zweifel mehr möglich. Er musste eins geschossen haben. Wir waren alle sehr erfreut, die Lappen aber gerieten förmlich außer sich vor Glückseligkeit, denn nun sollten sie wieder ihr Nationalgericht kosten,

das sie so lange hatten entwehren müssen. Valtu lief ihm entgegen, hüpfte und tanzte im Kreis um ihn herum, klopfte ihm auf die Schulter und wusste nicht, wie er seiner Freude Ausdruck geben sollte. Inzwischen war der Jäger am Lagerplatz angelangt

und legte nun seine Bürde ab, die aus der Haut, dem Kopf, einer Keule, Teig und den Markknochen bestand. Das Übrige hatte er zur Abholung am nächsten Tag liegen lassen. Silas schenkte uns die Markknochen und gab jedem ein Stück Teig. Dann bedeutete er uns, dass wir den Kessel aufsetzen

und dies zusammen mit der Keule kochen sollten, um das Gericht gemeinsam zu verzehren. Die Grönländer essen das Fleisch übrigens ebenso gern roh wie gekocht und unsere beiden Gäste hatten das schon in dieser Form in Angriff genommen. Es war nur eine gute Stunde vergangen,

seit die Butterkruze verzehrt war, aber trotzdem kam der Kessel sofort wieder aufs Feuer und nach Lappenart lagerten wir uns um dasselbe herum und nahmen einen Probebissen nach dem anderen aus dem Kessel heraus, sodass die meisten von uns ganz gesättigt waren,

als das Fleisch völlig mürbe gekocht war, so wie die Lappen es wünschten. Späterhin am Abend machten wir uns abermals daran und noch am selben Tage war das sämtliche Fleisch verzehrt. Man sieht hier raus, dass unsere Mehlken ziemlich elastisch waren

und dass sich unsere Gedanken in diesen Tagen hauptsächlich um das Essen drehten, aber dies ist sehr verzeihlich, wenn man bedenkt, dass wir so ausgehungert waren, dass wir niemals das Gefühl hatten satt zu sein, selbst wenn wir so viel gegessen hatten,

wie wir nur vermochten. Von nun an, sagt Balto, kamen bessere Tage. Wir vergaßen allmählich die beschwerliche Reise, die wir hinter uns hatten, mit Hunger, Dost, Frost und trübsalem Eise.

Die beiden Grönländer, bemerkte Dietrichson weiter, machten sich am nächsten Tage auf, um den Rest des Rentieres zu holen, während wir das Zelt und die übrigen Sachen auf die Landshunge hinausschafften.

Denn nach Aussage der Grönländer konnten wir nun, es war der 8. Oktober, die Boote erwarten, die uns holen sollten. Als die Grönländer am Nachmittag mit dem Rentier zurückgekehrt waren, dass sie an den Landungsplatz ihrer Kajakstrogen

fanden sie sich auf unserem neuen Lagerplatz mit einem großen Stück Fleisch ein, das sofort gekocht wurde. Weil es jetzt aber regnete, so konnte das Fleisch diesmal in aller Ruhe kochen,

bis es gab, worauf es im Zelt serviert wurde. Ein Schneehuhn, das Peter geschossen hatte, schenkte er uns ebenfalls. Vorher nahm er jedoch die Eingeweide heraus, die wir glaubten, um sie für uns zu reinigen.

Zu unserm Staunen aber verzehrte er sie, und zwar scheinbar mit großem Appetit. Es vergingen noch mehrere Tage, ohne dass man etwas von den Booten erblickte. Merkwürdigerweise war das Wetter am Fjorde gut,

während es draußen stürmte und regnete. Am Morgen des 11. Oktober, fährt Dietrichsson fort, wurden wir um 7 Uhr durch den Laut mehrere Schüsse aus unserem friedlichen Schlummer geweckt. Wir ahnten sofort, um was es sich hier handelte.

Deshalb sprangen wir aus den Schlafsäcken, ergriffen Gewehr und Patronen, steckten die Köpfe aus der Zelttür und gaben eine Antwort durch mehrere Schüsse. Es konnte nur die Besatzung der sehnlichst erwarteten Boote sein,

die gleich den früher angekommenen Grönländern ihre Ankunft durch Schüsse signalisierte. Im Handumdrehen waren wir in unseren Kleidern und standen jetzt vor dem Zelt, nach den Fremden ausspähend.

Da sind sie, hieß es, und über dem vorspringenden Abhang ward nun ein Grönländer-Kopf nach dem anderen sichtbar. Wir fingen an zu zählen, aber dann wurde das unmöglich. In einer solchen Anzahl wimmelten sie plötzlich heran.

Männer und Frauen, im Ganzen 14 Personen, näherten sich in lebhafter Unterhaltung wieder und wieder ihre Gewehre abfeuernd dem Zelte. Hier angelangt trat einer der Männer vor und erklärte, halb in dänischer, halb in grönländischer Sprache,

dass sie mit zwei Booten gekommen seien, um uns abzuholen. Es war der im Dienste der dänischen Handelskolonie stehende Schmied Terkel, der als Dolmetscher fungierte. Wir hatten unser Lager im Laufe der Zeit häufig genug abgebrochen.

Nie aber war dies mit einer ähnlichen Schnelligkeit bewerkstelligt worden, wie an diesem Tage. 1, 2, 3 war alles zusammengepackt. Jeder der Fremden nahm seinen Teil und davon ging es mit der ganzen Karawane den Booten zu,

die ungefähr 1000 Ellen vom Lagerplatz entfernt lagen. So schnell wie möglich ging es nun vorwärts. An der Nordseite des Fjords wurde eine kleine Rast gemacht, um Kaffee zu kochen und eine Festmahlzeit abzuhalten. Den Grönländern, die seit längerer Zeit ihre Vorräte verzehrt hatten,

wurde ebenfalls vom Proviant mitgeteilt. Unser Freund, der Rentierschütze Ferd Giedrichsson-Fort, traktierte seine Landsleute mit dem, ihrer Ansicht nach, wohlschmeckensten Teil des Rentieres. Eine Delikatesse, die keiner von uns Europäern ihm missgönnte,

denn wir waren ganz sicher, dass sie nicht nach unserem Geschmack sein würde, wenn wir uns darauf einlassen wollten, sie zu kosten. Der Magensack des Rentiers wurde hervorgeholt und schon bei dem bloßen Anblick desselben lief den Grönländern das Wasser im Munde zusammen.

Vorsichtig wurde er geöffnet und der Inhalt an die Gormans verteilt. Die, nachdem sie die ihnen zugeteilte Portion verzehrt hatten, sorgfältig ihre Finger ableckten, um nicht das geringste von diesem seltenen Leckerbissen zu verlieren. Endlich waren wir fertig und konnten nun allen Ernstes an unsere Reise denken.

So ging es denn vorwärts, in dem Peter das Holzboot und Silas das Frauenboot als Kajakmänner begleiteten. Nach Verlauf von wenigen Stunden musste das Frauenboot jedoch schon wieder an Land gehen. Es war jetzt mehrere Tage im Wasser gewesen und infolgedessen war die Haut durchweicht und schlaff, sodass das Boot zum Trocknen aufs Land geschafft werden musste.

Wir überließen der Besatzung ein wenig Proviant und zogen dann weiter. Im Laufe des Tages wurde das Wetter immer schöner und gegen Mittag schien die Sonne strahlend hell. Spiegelblank breitete sich der Fjord um uns her aus und die hohen steilen Felsen, die ihn umgaben,

hatten genügend Gelegenheit, ihre eigene Schönheit in dem Spiegelbild zu bewundern, welches das blanke Wasser zurückwarf. Wir lagen höchst gemächlich hinten in dem kleinen, weiß gemalten Boot und konnten uns in aller Ruhe der Betrachtung der großartigen Natur hingeben. Als die Sonne allmählich tiefer sank

und die Felsen ihre langen Schatten über den Wasserspiegel warfen, schien die Natur selbst, die bis dahin so munteren Grönländer, feierlich zu stimmen. Die lebhafte Unterhaltung und das fröhliche Gelächter verstummten allmählich, bis endlich eine völlige Stille eintrat. So ruderten wir eine lange Zeit weiter.

Nur das einförmige Plätschern der Ruder unterbrach die Stille. Nichts Lebendes war zu erblicken. Die ganze Natur ruhte. Allmählich wurde der Schweigen den Grönländern doch zu beklommen. Der Ernst, der in dem Todestillen Dasein mitten an einer großartigen Natur liegt,

ergriff die Besatzung und plötzlich stippte sie ein geistliches Lied an, die im Wald andere folgten. Und unter dem Absingen von Kirchenliedern klitt das Boot durch die zunehmende Finsternis der Nacht dahin. Den nächsten Tag erreichte man Gotthard.

In Dietrichsons Aufzeichnungen heißt es darüber. Wir konnten annehmen, dass wir um die Mittagszeit bei der Kolonie eintreffen würden. Was die Leute wohl dachten, wenn sie uns erblickten? Knochenmager, mit langem Haar, ungeschorenem Bart und dem alten Schmutz von drei Monaten auf unseren Körpern

sahen wir aus wie Vogescheuchen. Am Ufer des Fjords hatten wir vergebens versucht, einen Teil des Schmutzes mit warmem Wasser und Sand zu entfernen. Dazu bedurfte es der Seife und die hatten wir nicht. Deswegen waren und blieben wir gleich schmutzig.

Ein erneuter Versuch uns zu putzen würde ebenso fruchtlos gewesen sein. So sahen wir uns dann gezwungen, mit unserer Toilette zu warten, bis wir die Kolonie erreicht hatten. Dietrichsons schließt seinen Bericht mit den Worten. Als wir landeten, wurden wir auf das herzlichste Empfangen

von unseren später so liebenswürdigen Wirten, dem Koloniedirektor Bistrup und Frau, sowie von den sämtlichen anderen dänischen Familien, die herbeigekommen waren, um uns willkommen zu heißen. Nach 16-tägiger Trennung von den Kameraden

sahen wir uns am 12. Oktober wieder mit ihnen vereint. Das Ziel war erreicht. Sicher und wohlbehalten hatten alle eine dänische Kolonie an der Westküste erreicht, nachdem die Eisgefilde Grönlands von Osten bis Westen durchwandert waren.

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