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Abschnitt 2 von Ausgewählte Erzählungen von Alexander Puschkin. Dies ist eine LibriVox-Aufnahme. Alle LibriVox-Aufnahmen sind lizenzfrei und im öffentlichen Besitz. Weitere Informationen und Hinweise zur Beteiligung an diesem Projekt gibt es bei LibriVox.org. Die Rusalka, ein Dramafragment von Alexander Puschkin, übersetzt von Ferdinand Löwe.

Die Rollen. Erzähler. Gelesen von Renate Berger. Müller. Gelesen von Alji Pag. Tochter des Müllers, Stimme und Königin der Rusalken. Gelesen von Abayi. Fürst. Gelesen von Karlsson. Alte. Gelesen von Alji Pag.

Freiberber. Gelesen von Friedrich. Chor der Mädchen. Gelesen von Cindy Conard. Stalknicht. Gelesen von Hermann Roskamp. Gast. Gelesen von Inflected. Schaffner. Gelesen von Lord Euder.

Freiberberin. Gelesen von Cindy Conard. Die Fürsten. Gelesen von Carolin. Amme. Gelesen von Julia Niedermeier. Jäger. Gelesen von Lord Euder. Rusalken. Gelesen von Anastasia Salocha.

Tochter der Rusalka. Gelesen von Eli. Die Rusalka. Erste Szene. Ufer des Dierpr. Müller. Der Müller und seine Tochter. Jaja, so seid ihr all, ihr jungen Dinge. Seid unvernunftig.

Wenn einmal ein Mann, der fürnehmen ist, um den euch andere neiden, sich eingefunden, mußtet ihr ihn halten. Wodurch? Durch kluges, sittiges Betragen, bald streng innehmen, bald in schmeikeln loggen, mußt unvermerkt mit kluge Wendung oft von Hochzeit sprechen, und vor allen Dingen bewahren streng der jungfräulichen Ehre unschätzbare Kleinhood,

des Jahr, wie das Wort, nicht mehr zurückzubringen, wenn's entschlüpft ist, und ist durchaus auf Hochzeit nicht zu rechnen. So läßt sich irgendwie ein Vorteil doch für sich und für die Seinigen wohl erspähen. Sprach ihr nur so zu euch. Er wird nicht ewig mich lieben und verhetscheln? Aber nein, euch fällt's nicht ein.

Bei Zeiten zu bedenken, euch schwindelt gleich der Kopf. Ihr seid nur froh, den Wunsch ihm ohne Rückhalt zu erfüllen, den lieben langen Tag zu kosen mit dem Herztgeliebten. Und der Heiztgeliebte, ehe ihr's euch noch verseht, ist fort, verschwunden, und ihr habt nichts.

Ach, ihr seid alle tröricht, hab ich dir nicht wohl hundertmal gesagt. Gib, Tochte, acht! Sei solch in Nähren nicht, verpasser Träumen nicht ein Lebensglück. Denn Fürsten, lass nicht los und sturz dich nicht einfältig ins Verderben. Aber half's. Jetzt kannst du sitzen und dich ewig härmen, denn hin ist hin, da hilft nichts. Und warum glaubst du, dass er mich aufgegeben hat?

Warum, fragst du, wie oft kehrt er nicht sonst die Woche über in der Mühle ein? Was? Jeden Gottesstag, zuweilen ja zweimal am Tage, darauf immer seltener erschien er. Und jetzt ist der neunte Tag, dass wir ihn nicht gesehen. Was sagst du drauf? Er hat zu tun, ihn drückt gar manche Sorge. Er ist kein Müller und für ihn wird nicht das Wasser schaffen. Oftmals sagt er mir, dass seine Mühle die schwerste sei von allen.

Ja, trau du ihm. Wann mühen woll' sich Fürsten? Und was ist ihre Mühe? Sie können Höhe, Hasen jagen und Schmause geben und in Nachtbahn plündern und euch, ihr armen Näherinnen, verführen. Er schafft selber. Ja, es ist zum Erbarmen. Für mich schafft's Wasser. Und doch habe ich bei Tag, bei Nacht nicht Ruhe. Sieht man nach, so gibt es überall etwas zu flicken. Hier fölts, dort legts. Wahrhaftig besser wäre es, wenn du verstundest von dem Fürsten, dir ein Zumpchen für den Umbau auszubitten.

Nun, was gibt's? Hör'ch auf, es ist das Stampfen von seinem Ross. Er ists, er ists. Hör' Tochte, vergiss nicht, was ich dir geraten. Denk daran. Da ist er, da. Wie geht's, mein liebes Kind? Wie geht es Müller euch? Mein genädige Fürst, sei hoch willkommen. Lange schon, daß wir dein helles Antlitz nicht gesehen haben. Ich gehe, dir den Imbiss zubereiten. Endlich hast du meiner doch gedacht. Wie brachtest du es übers Herz, so lange zu quälen, mich durch die Erwartung pein?

Was ging mir, armen, nicht durch meinen Kopf? Welch Schreckbild gab's, das ich mir nicht geschaffen. Bald dachte ich, daß dein Ross dich fortgetragen, in Sümpfe, wilde Schluchten, daß ein Bär im Waldesdickicht dich bewältigt habe. Daß krank du wärst und du mich nicht mehr liebtest. Doch Gott sei Dank, du lebst, bist unversehrt und liebst wie sonst mich noch. Nicht wahr? Wie sonst? Oh nein, noch mehr, mein Kind. Doch, du bist traurig. Was ist mit dir geschehen?

Ich wäre traurig? Das kommt dir nur so vor. Nein, ich bin froh, sobald ich dich nur sehe. Nein, wenn du froh bist, beschleunigst du den Schritt von weitem schon und rufst mit heller Stimme, Wo ist mein Täubchen? Wie geht es ihm? Und küsst mich als bald und forscht, ob ich mich auch deiner freue und ob ich dich so früh wohl auch erwartet. Doch jetzt hörst du mich an und sagst kein Wort, umarmst mich nicht, küsst mir nicht die Augen. Gewiss hat etwas deinen Sinn getrübt. Was ist es? Du bist doch nicht bös auf mich. Was hilft es, dass ich länger mich verstelle? Ja, du hast recht, es drückt mich schwerer Kummer. Und du vermagst durch liebes Schmeicheln nicht, ihn zu zerstreuen, kannst ihn nicht mit mir teilen.

Mich aber schmerzt es, dass ich nicht dein Leid mittragen soll? Tug wund mir dein Geheimnis. Kannst dir denn frommen? wein ich. Magst du's nicht? Fall ich mit keiner Träne dir beschwerlich. Was zaudrig auch, je schneller desto besser. Geliebtes Kind, du weißt, kein Erdenglück hat sichere Dauer. Weder Altgeschlecht, noch Schönheit, weder Macht, noch großer Reichtum. Nichts kann des Schicksals Schlägen widerstehen. Auch wir, ist es nicht so, mein Trautes Herz, wir waren glücklich. Mindestens war ich durch dich, durch deine Liebe hochbeglückt. Und was auch für da für mich kommen mag, wo ich auch sei, stets werd ich dein Gedenken, mein Holtes Kind, und nichts auf Erden kann, was ich verliere, jemals mir ersetzen. Noch weiß ich deine Worte nicht zu deuten, und schon wird mir so bang. Das Schicksal droht, bereitet uns ein ungeahntes Weh. Trennung vielleicht?

Nun ja, du hast's erraten. Es ist vom Schicksal Trennung uns beschieden. Wer trennt uns denn? Steht's nicht in meiner Macht, dir überall auf deinem Pfad zu folgen? Als Knabe angetan, will ich dir dienen, mit aller Treue, sei es auf der Reise, sei es im Krieg. Ich fürchte nicht den Krieg, bist du nur da. Nein, nein, ich glaub es nicht. Entweder willst du meinen Sinn erforschen, oder du treibst mit mir nur eitlen Scherz. Zum Scherzen bin ich heute nicht gestimmt, dich auszuforschen hab ich keinen Anlass. Zu weiter Reise rüste ich mich nicht, noch auch zum Krieg, ich gehe nicht von Haus. Und doch muss ich auf ewig von dir scheiden. Halt ein! Jetzt erst versteh ich endlich alles. Du nimmst ein Weib? Du nimmst ein Weib?

Die Gefährtin und die Führsten sind nicht frei, wie ihr es seid, und die Gefährtin wird nach Neigung nicht gewählt, nur nach Berechnung von fremden Leuten und zum Nutzen Fremde. Gott, und die Zeit wird dein Kummer lindern. Vergiss mich nicht. Hier, nimm zum Angedenken ein Stirnband. Komm, ich leg es selbst dir an. Noch hab ich einen Halsschmuck mitgebracht. Nimm ihn. Und dann noch eins. Dies hier versprach ich deinem Vater. Gib es ihm. Gib dir einen Beutel voll Gold in die Hand. Lieb wohl. Wart doch! Ich hab dir etwas noch zu sagen. Ich weiß nicht was.

Besinne dich. Für dich bin ich bereit? Nein, das ist es nicht. Doch wart nur. Unmöglich ist es, dass du mich auf immer wirklich verlassen kannst. Auch das war es nicht. Jetzt hab ich es. Es hat sich teurer Freund mir unterm Herzen heute dein Kind geregt. Unglückliche! Was tun? Du musst dich schonen, schon um des Kindes willen. Und das glaub nur, ich werde Kind und Mutter nicht verlassen. Wenn's sich so macht, so komm ich auch wohl selbst euch zu besuchen. Bleibe standhaft, denn. So lass zum letzten Male dich umarmen. Ihm weggehen. Das wär vorbei. Ich atme endlich leichter. Ich war auf Sturm gefasst, doch leidlich ruhig lief es noch ab.

Geht ab. Sie bleibt unbeweglich stehen. Müller tritt ein. Ist es euch nicht gefällig, jetzt bei uns ein? Wo aber ist er denn? Sag, wo ist unser Fürst? Ei, ei, sieh da. Was für ein Stirnband. Ganz voll edle Steine. Das blitzt nur so. Und Perlen? Nun, vorwahr, ein königliches Geschenk ist dir geworden. Und was ist das? Ein Beutel? Wohl gar Geld? Doch du, was stehst du da? Er wird es nichts. Sagst nicht ein Sterbenswirtchen? Oder hat die unverhoffte Freude dich verwirrt? Er fasste dich ein Krampf?

Ich kann's nicht glauben. Es kann nichts sein. Ich hab ihn so geliebt. Ist er ein wildes Tier? Hat er ein Herz von Stein? Wer ist es denn, von dem du sprichst? Sag, Fätherchen, wie hab ich ihn denn wohl erzürnen können? Ist denn meine Schönheit in einer Woche hingeschwunden? Oder hat man's durch einen Trank ihm angetan? Was ist dir? Er ist fort. Da springt er hin. Und ich? Ich rasende, ich ließ ihn ziehen? Ich klammerte mich nicht an sein Gewand, ich hing mich nicht an seines Rosses Zaum.

Mochte er mir dann in seinem Zorn ja auch den Arm abhauen? Mochte er mich auf dem Fleck durch seines Rosses Huf zertreten lassen? Was hat sie nur? Ja, Fürsten sind nicht frei wie unser eins. Sie wählen nicht nach Neigung, ihr Weib. Wohl aber steht es ihnen frei, durch Schwüre und durch Tränen uns zu locken, zu flüstern. Trau nicht, bring dich auf mein Schloss, da hart ein trauliches Gemach. Ich kleide in schwere Seide, dich und Roten sammelt.

Sie dürfen uns verleiten, mittanachts auf das gegebene Zeichen aufzustehen, zu sitzen bei der Mühle bis zum Morgen. Sie finden süß, ihr fröhliche Herz, zu laben an uns am Elend. Und zuletzt, leb wohl, geh Täubchen, geh wohin es dir gefällt und liebe, wenn du magst. So steht die Sache. Und wer ist deine Braut? Für wen hat er mich hingegeben? Oh, ich werd's erfahren. Ich dringe zu ihr, ruf ihr zu, der Bösen, lass ab von uns. Du siehst es hausen nicht zwei Wölfinnen in einer Schlucht. Du Zörrin, hat mal eine Braut der Fürz sich ausgesucht, wer kann ihm darin wehren? Siehst du's jetzt? Hab ich's dir nicht gesagt?

Und konnte er als wacker Mannes Wagen so zu scheiden, dass er Geschenke bot? Was denkt er sich? Und Geld? Damit meint er sich loszukaufen. Durch Silber will er mich verstummen machen, dass Schlimmes über ihn sich nicht verbreite und nicht der jungen Frau zu Ohren komme. Ja, so, bald hätt ich es vergessen. Hier lässt er dies Geld dir übergeben. Dafür, dass du ihm wohl gewollt, dass du der Tochter gegönnt, ihm nachzulaufen, dass nicht strenger du sie gehalten. Sieh, es kommt zu Gute dir mein Verderben. Gib ihm den Beutel. Was muss ich erleben? Was legt Gott mir auf zu hören? Söhn ist's, dass du so bitteschmierst, den eigenen Vater.

Du bist ja doch mein einziger Kind auf Erden, die einzige Freude meiner alten Tage. Wie hätt ich dich wohl nicht verwöhnen sollen? Jetzt traf mich Gott dafür, dass ich zu schwach die Vaterpflicht geimpft. Ich ersticke. Die kalte Schlange würgert mir den Hals. Mit einer gleißnerischen Schlange hat. Mit Perlen nicht, Herr mich umwunden. Sie reißt die Perlen ab. So möchte ich, du arge Schlange, dich zerreißen. Dich, du verfluchte Feindin meines Glücks. Für wahr, du redest irre.

Tochter, nimm das Stirnband ab. Da, da ist mein Kranz. Ein Kranz der Schmach. Mit ihm hat uns der böse Feind getraut, als ich mich losris von allem, was ich heilig sonst gehalten. Wir sind geschieden. Welke hin, mein Kranz? Und jetzt ist alles aus. Och, weh, weh. Das war einmal ein lustig Hochzeitsfest. Nun, Fürst, ich wünsche Glück zur jungen Fürstin. In Lieb und Eintracht lasse Gott euch leben. Und dass er uns recht oft noch bei euch schmausen.

Ihr aber, Schmuckemädchen, warum schweigt ihr? Ihr weißen Schwänlein, warum seid verstummt ihr? Habt ihr schon alle Lieder durchgesungen? Sind euch alle verabschiedet? Freiberberlein, Freiberberlein. Nährisches Freiberberlein. Wir gingen der Brau zu warten. Wir kamen in den Garten, Habe ein Fässlein Bier vergossen, Habe alle den Kohl begossen. Wir gingen der Brau zu warten, wir kamen in den Garten, haben ein Fesslein Bier vergossen, haben alle den Kohl begossen.

Vor dem Zaune verbeugten wir uns, vor dem Pfosten verneigten wir uns. Warten, oh du lieber Pfosten, weise uns den Pfad, wo das Bräuchchen naht. Freiwerberlein, musst nicht abschweifen, sollst in das Beutelchen greifen, im Beutelchen klingelt Geld, hübschen Mädchen wohl gefällt. Ihr Schelmenvolk, was singt ihr da für Stücklein?

Da habt ihr, und nun lasst mich ungeschalten. Er beschenkt die Mädchen. Eine Stimme. Über Kieseln, über gelben Sand, ran dahin das schnelle Flüsslein, Im schnellen Flüsslein plätschern zwei Fischlein, zwei Fischlein, zwei muntere Kerpflein. Hörtest du schon, Schwester Fischlein, was sich zudruck bei uns im Flüsslein,

wie ne schöne Maid sich gestern hier ertränkte und noch im Sinken den Buhlen fluchte? Ihr Schönen, was ist das für ein Gesang? Das ist ja doch für wahr kein Hochzeitslied. Wer hat das Lied gewählt? Sagt an. Nicht ich, nicht ich, wir nicht. Wer hat es denn gesungen?

Gemurmel und Verwirrung unter den Mädchen. Fürst. Ich weiß es, wer. Steht vom Tisch auf und raunt dem Stalknicht zu. Die Müllerin muß hier sein, für sie sogleich hinaus und frage nach, wer sie hereinzulassen wagte.

Stalknicht geht an die Mädchen heran. Fürst für sich. Wahrlich, sie wär im Stande, solchen Lärm zu machen, dass ich nicht wüßte, wo vor Schande mich zu bergen. Fürst, ich konnte sie nicht finden.

Such nur, ich weiß es, sie ist hier. Sie war's, die jenes Lied gesungen. Ein Gast. Bringt doch Med. Es fuhr der Schrecken mir durch alle Glieder. Fort mit dem Ärgernis. Versüßen wir's.

Das junge Paar küsst sich. Ein schwacher Schrei lässt sich hören. Sie war's, es war ihr eifersüchtiger Schrei. Wie steht's? Ich kann sie nirgends finden.

Dumm Kopf. Schaffner aufstehend. War es nicht Zeit, die Fürstin den Gemahl zu übergeben und das junge Paar mit Hopfen auf der Schwelle zu bestreuen? Alle stehen auf.

Ja, freilich ist es Zeit. Tragt auf den Hahn. Man setzt dem jungen Paar einen gebratenen Hahn vor, bestreut es mit Hopfen und führt es dann ins Schlafgemach. Nun Fürstin, Herzchen, weine nicht, sei ruhig und füge dich. Das junge Paar begibt sich ins Schlafgemach.

Alle entfernen sich, außer Freiwerberin und Schaffner. Wo mag die Flasche sein? Soll ich die Nacht durch unterm Fenster wandern? So ist ne Stärkung wahrlich nicht vom Übel. Freiwerberin schenkt ihm ein.

Da trink, und wohlbekomm's. Ah, danke schon. Es ging doch alles hübsch vonstatten, nicht? Ein brächtig Hochzeitsfest. Ja, Gott sei Dank. Es war alles gut. Nur eines war nicht gut.

Und was? Das dumme Lied, das Sie da gesungen. Kein Hochzeitslied. Gott weiß, was für ein Lied. Ach, diese Mädchen. Können Sie doch nie die Possen lassen. Ist es wohl erhört, ein fürstlich Hochzeitsfest mit Fleiß zu stören?

Dritte Szene. Gemach. Die Fürstin und die Amme Horch, wird er nicht geblasen? Nein, er kommt nicht. Ach, liebe Amme, wie war er als Bräutigam?

Nicht einen Schritt wicher mir von der Seite. Das Auge könnte er gar nicht von mir wenden. Seit wir vermielt sind, ist es alles anders. Jetzt weckt er mich in aller Frühe schon und gibt sofort Befehl, sein Pferd zu satteln.

Und schweift bis in die Nacht. Gott weiß wohin. Kommt er zurück, so hat er kaum für mich ein freundliches Wort. Und kaum noch streichelt er mit sanfter Hand wie sonst mein weißes Antlitz. Ach, Fürstin Lass.

Der Mann ist wie der Hahn. Er lockt, schlägt mit den Flügeln und fort ist er. Das weibt dagegen gleich der armen Henne. Da sitzt er hin und brühtet eine Küchlein. Als Bräutigam will er gar nicht weg.

Er isst nicht, trinkt nicht, kann nicht satt sich sehen. Ist er getraut, dann gehen die Sorgen an. Bald gibt es einen Nachbarn zu besuchen. Bald gilt es, auf die Falkenjagd zu gehen. Dann führt ihn gar seine Unstände in den Krieg.

So ist er überall. Nur nicht so aus. Sag Amme, nähert er nicht geheime Glut für einen anderen? Still und Sünd genicht. Und welcher anderen könnte dich wohl opfern? Dein ist der Preis.

An Witz, an Holderschönheit, an Sitte und Verstand. Sag selber doch. Du Herzenskind, in welcher anderen wohl könnte einen solchen Schatz er wiederfinden? Wenn Gott mein heißes Flehen erhören wollte und Kinder mir gewähren, oh, dann könnte ich von neuem den Gemahl wohl an mich fesseln.

Doch sieh, das Jagdgefolge füllt den Hof. Mein Mann ist heimgekehrt. Was kommt er nicht? Ein Jäger tritt ein. Der Fürst, wo ist der Fürst? Der Fürst gebot uns nach Hause zu reiten.

Wo ist er denn selbst? Er blieb allein im Walde, am Nebreufer. Und ihr habt es gewagt, den Fürsten dort allein zu lassen? Ist das euer Eifer? Kehrt schleunigst um, eilt, spornt, streich's hin zu ihm

und meldet ihm, ich sei's, die euch gesendet. Jäger geht ab. Ach Gott im Wald bei düsterer Nacht, da schweift das wilde Tier, der grimme Mensch. Es lauert der Waldgeist und wie bald ist Unheil da. Schnell, zünde vor dem Heiligenbild die Kerze.

So gleich, mein Kind, so gleich. Wir tauchen so freilich herauf aus dem Grunde. Es wärmet der Mond uns zur nächtlichen Stunde. Lust gewählt es uns zu meiden nach fürnacht des Stromes Bete. Freund haubt es zu durchschneiden seiner Flutenspiegelgläte.

Uns zu rufen Paar um Paar, daß die Lust erklingt wie Glocken. Und das früchte grüne Haar schütteln wir und machen's trocken. Still! Es hat in dichten Zweigen sich ein Vögelein geregt. Zwischen Mond und unsrem Reigen jemund sich heran bewegt. Es ist ein Vögelemacht.

Wohl ist die öde Stätte mir bekannt. Vertraut ist alles mir, was mich umgibt. Da ist die Mühle, doch sie liegt zerfallen. Der Mühlstein ruht, es starb auch wohl der Alte. Die arme Tochter hat er lang beweint.

Hier wand ein Fußpfad sich. Er ist verwachsen, ihn hat seit lange schon kein Fuß betreten. Hier war ein eingehegtes Gärtchen. Wollt es in einem Heim aufgeschossen sein? Da steht die Eiche, unsere liebe Zeuge.

Hier sank das Mädchen stumm an meine Brust. Ist's möglich? Geht auf die Tür zu, die Blätter fallen. Was heißt das? Die dürren Blätter, sie rascheln plötzlich von der Eiche nieder

und fallen wie ein Regen mir aufs Haupt. Da steht sie nackt und schwarz vor meinem Auge, wie ein verfluchter Baum. Der Alte, in Lumpen und halbnackt tritt auf. Wie geht es, Sohn? Wer bist du denn?

Ich bin des Oites Rabe. Ist's möglich? Ist's der Müller? Ach, was Mühle! Den Haustöpeln verkauft ich meine Mühle und das gelöste Geld gab in Verwahrung ich der Rosalke,

meiner weisen Hochte. Es ist im Neipelsande vollverschar. Gehütet wird's von einem Einaugfischlein. Der Unglückselge, er ist toll. Wie Wolken vom Sturm zerstreut, so irren die Gedanken.

Was bist du gestern denn nicht hergekommen? Es gab n Schmaus, wir haben lang gewartet. Wer harte mein? Wer? Einund, meine Tochter.

Du weißt, ich seh so allem durch die Finger und lass euch Freiheit. Mag sie immer sitzen mit dir die ganze Nacht, bis Hahnenschrei. Ich sage nicht ein Wörtchen. Armer Müller! Was soll's denn mit dem Mülle?

Hörst du's nicht? Ich bin der Rabe und kein Müller. Seltsam. Also, du weißt doch noch, sich in den Fluss gestürzt, da folg ich sinnlos ihre Spur und wollte eben von dem Fels herspringen.

Da fühlte ich plötzlich wie zwei starke Flügel mit jährkraft mir aus den Schülten wuchsen und in der Luft mich hielten. Seit der Zeit flieg ich bald her, bald dahin, pickabald an eine toten Kuh, bald sitz dich krächzen auf einem Grabe.

Oh, was für ein Jammer! Wer ist denn, der dich pflegt? Ja, mich zu pflegen, das tut wohl noth, denn ich bin alt geworden und wunderlich. Ich, mich pflegt die liebe kleine Rosalka. Wer?

Das Enkelkind. Unmöglich, ihn zu verstehen. Hör, alter, hier im Walde stirbst hungerst du. Wenn nicht ein wildes Tier dich frisst, willst du nicht in mein Schloss mir folgen und bei mir leben?

In dein Schloss? Ich danke. Du lochst mich hin und meinst mich dann zu würgen mit einem Halsband. Hier bleib ich am Leben, bin satt und hoi. Ich will nicht in dein Schloss.

Geht ab! Und alles das hab ich verschuldet. Schrecklich, um den Verstand zu kommen, besser sterben. Den Toten schauen wir mit Ehrfurcht an und sprechen ihm Gebete. Alle macht der Tod ja gleich, doch der ist nicht mehr Mensch,

der seiner Sinne nicht mehr mächtig ist, umsonst hat er die Rede. Er beherrscht das Wort nicht, ihresgleichen sehen in ihm die Tiere nur, die Menschen Spotten sein. Ihn schützt die Welt nicht und ihn richtet Gott nicht. Unseelger Greis, sein Anblick hat in mir der Reue qualen, alle angefacht.

Jäger tritt auf. Da ist er, mühsam war's ihn aufzufinden. Was willst du hier? Die Fürstin sendet uns, sie ist um dich in Sorge. Unerträglich ist ihre Ängstlichkeit.

Bin ich ein Kind denn, das keinen schrittig tun kann ohne Wartfrau? Er geht. Die Rosalken erscheinen auf dem Wasser. Sag der Schwester, sollen wir streifen innen nach in Feld und Rhein und mit Spritzen, Küchen, Pfeifen, ihre Rosse machen schoien? Nein, sie ist spät.

Kühl wird die Welle, wenn herr kräht der Hahn schon heller. Abwärts ist der Mond gezogen, dunkel ist der Himmelsbogen. Lass uns noch ein wenig weilen. Nein, wir müssen eilen, eilen, denn es hat auf ihrem Thron unsere Stränge geschmückt. Unsere strenge Schwester schon.

Fünfte Szene Niepergrund Saal der Rosalken Die Rosalken sitzen rings um ihre Königin und Spinnen. Hört auf zu spinnen, Schwestern. Die Sonne sank, voll glänzt schon über uns der Mond.

Genug, taucht nun hinauf, zu spielen unterm Himmel. Doch rührt mir heute keine Seele an. Vermisst euch nicht, den Wanderer zu kitzeln, des Fischers Netze tückisch zu beschweren mit Schilf und Schlamm. Noch locket mir ein Kind mit Märchen von den Fischlein in die Tiefe. Eine kleine Rosalke kommt.

Wo warst du? Es rief mich ein Geschäft hinauf zur Erde. Gestern bad er mich, im Grund des Flusses ihm das Geld zu sammeln, das er einstmals zu uns hinab ins Wasser geworfen. Lang habe ich danach gesucht. Was aber Geld ist, weiß ich freilich nicht.

Doch habe ich ihm dafür herausgebracht, von schilfbunden Muscheln eine Menge. Er hat die große Freude daran. Hirnloser Geizhals. Nun höre, Tochter, heute baue ich ganz auf dich. Es wird zu uns ans Ufer kommen ein Mann.

Den lass nicht aus den Augen. Geh ihm gleich entgegen. Wiss, er steht uns nah. Er ist dein Vater. Ist es derselbe, der dich ernst verließ und deinen Weib gefreit? Derselbe. Zärtlich schmiege dich an ihn.

Erzähle alles ihm, was du durch mich von deiner Herkunft weißt. Das Gleiche auch von mir. Und wenn er dir die Frage tut, ob ich ihn wohl vergessen oder nicht, so sag ihm, dass ich stets noch sein Gedenke, ihn liebe und erwarte. Hast verstanden?

Oh, wohlverstanden. Geh denn. Derzeit an, wo Sinn verwirrt dich in die Flut mich stürzte, als ein verzweifelnd und beschimpftes Mädlein, dann in des nie prötifem Grund erwachte,

als eine kalte, mächtige Rusalka, da sah ich unablässig nur auf Rache. Und heute endlich scheint es, schlägt die Stunde. Sechste Szene. Ufer.

Fürst. Zu diesen schauerlichen Ufern zieht mich unwiderstehlich eine dunkle Macht. Hier mahnt mich alles an vergangene Dinge, an meiner freien, schönen Jugendzeit so holdes und so trauriges Erlebnis. Hier war es, wo in jenen Tagen mich den freien, freie Liebesglut umfing.

Da war ich glücklich. Und ich rasender, ich konnte fräfelnd dieses Glück verscherzen, es hat die schwermutsvollen Bilder mir die gestrige Begegnung aufgefrischt. Unseelger Vater, schrecklich anzusehen. Vielleicht, daß ich ihn heute wieder treffe

und daß er sich entschließt, den Wald zu lassen, Wohnung bei uns zu nehmen. Die kleine Rusalka kommt ans Ufer. Was erblick ich. Von wannen kommst du, wunderlieblich Kind?

Hier bricht das Original ab und der Natur des behandelten Stoffes gemäss, muss das Ganze als Fragment erscheinen. Ende von die Rusalka. Ein Drama-Fragment.

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