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2. Teil, 10. Buch, Teil 4. Von Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Dies ist eine LibriVox-Aufnahme. Alle LibriVox-Aufnahmen sind lizenzfrei und in öffentlichem Besitz. Weitere Informationen und Hinweise zur Beteiligung an diesem Projekt

gibt es bei LibriVox.org. Aus meinem Leben. Dichtung und Wahrheit. Von Johann Wolfgang von Goethe. 2. Teil, 10. Buch, Teil 4. Unser Weg ging nunmehr an den Rennen hinauf,

in welchen das Alaunwasser heruntergeleitet wird und an dem vornehmsten Stollen vorbei, den sie die Landgrube nennen, woraus die berühmten Dudweiler Steinkohlen gezogen werden. Sie haben, wenn sie trocken sind, die blaue Farbe eines dunkel angelaufenen Staats, und die schönste ihres Folge spielt bei jeder Bewegung über die Oberfläche hin.

Die finsteren Stollen Schlünde zogen uns jedoch um so weniger an als der Gehalt derselben reichlich um uns her ausgeschüttet lag. Nun gelangten wir zu offenen Gruben, in welchen die gerösteten Alaunschiefer ausgelaugt werden, und bald darauf überraschte uns, obgleich vorbereitet ein seltsames Begegnis.

Wir traten in eine Klamme und fanden uns in der Region des brennenden Berges. Ein starker Schwefelgeruch umzog uns. Die eine Seite der Hohle war nahezu glühend, mit rötlichem, weiß gebrannten Stein bedeckt. Ein dicker Dampf stieg aus den Klunsen hervor, und man fühlte die Hitze des Bodens auch durch die starken Sohlen.

Ein so zufälliges Ereignis, denn man weiß nicht, wie diese Strecke sich entzündete, gewährt der Alaunfabrikation den großen Vorteil, dass die Schiefer, woraus die Oberfläche des Berges besteht, vollkommen geröstet daliegen und nur kurz und gut ausgelaugt werden dürfen. Die ganze Klamme war entstanden, dass man nach und nach

die kalzinierten Schiefer abgeräumt und verbraucht hatte. Wir kletterten aus dieser Tiefe hervor und waren auf dem Gipfel des Berges. Ein anmutiger Buchenwald umgab den Platz, der auf die Hohle folgte und sich ihr zu beiden Seiten verbreitete. Mehrere Bäume standen schon verdacht, andere wälkten in der Nähe von anderen,

die noch ganz frisch jene Glut nicht ahndeten, welche sich auch ihren Wurzeln bedrohend näherte. Auf dem Platz dampften verschiedene Öffnungen, andere hatten schon ausgeraucht, und so glamm dieses Feuer bereits zehn Jahre durch alte verbrochene Stallen und Schächte, mit welchen der Berg unterminiert ist.

Es mag sich auch auf Klüften durch frische Kohlenlager durchziehen, denn einige hundert Schritte weiter in den Wald gedachte man bedeutende Merkmale von ergiebigen Steinkohlen zu verfolgen. Man war aber nicht weit gelangt, als ein starker Dampf den Arbeitern entgegendrang und sie vertrieb. Die Öffnung ward wieder zugeworfen, allein wir fanden die Stelle noch rauchend,

als wir daran vorbei den Weg zur Residenz unseres einsehlorischen Chemikers verfolgten. Sie liegt zwischen Bergen und Wäldern, die Täler nehmen da selbst sehr mannigfaltige und angenehme Krümungen. Rings umher ist der Boden schwarz und kohlenartig, die Lager gehen häufig zu Tage aus. Ein Kohlenphilosoph, Philosophus per ignem, wie man sonst sagte,

hätte sich wohl nicht schicklicher ansiedeln können. Wir traten vor ein kleines, zur Wohnung nicht übel dienliches Haus und fanden Herrn Stauf, der meinen Freund sogleich erkannte und mit Klagen über die neue Regierung empfing. Freilich konnten wir aus seinen Reden vermerken,

dass das Alawnberg sowie manche andere wohlgemeinte Anstalt wegen äußerer, vielleicht auch innerer Umstände die Unkosten nicht trage und was dergleichen mehr war. Er gehörte unter die Chemiker jener Zeit, die, bei einem Innigen geführ dessen, was mit Naturprodukten alles zu leisten wäre,

sich in einer abstrusen Betrachtung von Kleinigkeiten und Nebensachen gefielen und bei unzulänglichen Kenntnissen nicht fachdig genug, dasjenige zu leisten verstanden, woraus eigentlich ökonomischer und markantierlicher Vorteil zu ziehen ist. So lag der Nutzen, den er sich von jenem Schaum versprach, sehr im Weiten. So zeigte er nichts als einen Kuchen Salmiak, den ihm der brennende Berg geliefert hatte.

Bereitwillig und froh, seine Klagen einem menschlichen Ohr mitzuteilen, schleppte sich das Hagere abgelebte Menschen in einem Schuh und einem Pantoffel mit herabhängenden, vergebens wiederholt von ihm heraufgezogenen Strümpfen den Berg hinauf, wo die Harzhütte steht, die er selbst errichtet hat und nun mit großem Leidwesen verfallen sieht. Hier fand sich eine zusammenhangende Ofenreihe, wo Steinkohlen abgeschwefelt

und zum Gebrauch bei Eisenwerken tauglich gemacht werden sollten. Allein zu gleicher Zeit wollte man Öl und Harz auch zugute machen, ja sogar den Ruß nicht missen, und so unterlag den vielfachen Absichten alles zusammen. Bei Lebzeiten des vorigen Fürsten trieb man das Geschäft aus Liebhaberei auf Hoffnung. Jetzt fragte man nach dem unmittelbaren Nutzen, der nicht nachzuweisen war.

Nachdem wir unseren Adepten seine Einsamkeit überlassen, eilten wir, denn es war schon spät geworden, der Friedrichsthaler Glashütte zu, wo wir eine der wichtigsten und wunderbarsten Werktätigkeiten des menschlichen Kunstgeschickes im Vorübergehen kennenlernten. Doch fast mehr als diese bedeutenden Erfahrungen interessierten uns junge Bursche einige lustige Abenteuer

und bei einbrechender Finsternis, unweit neukirch, ein überraschendes Feuerwerk. Denn wie vor einigen Nächten an den Ufern der Saar leuchtende Wolken Johanneswürmer zwischen Fels und Busch um uns schwebten, so spielten uns nun die funkenwarfenden Essen ihr lustiges Feuerwerk entgegen. Wir betraten bei tiefer Nacht die im Talgrunde liegenden Schmelzhütten und vergnügten uns an dem seltsamen Halbdunkel dieser Bretterhöhlen,

die nur durch des glühenden Ofens geringer Öffnung kümmerlich erleuchtet werden. Das Geräusch des Wassers und der von ihm getriebenen Blasbälge, das fürsteliche Sausen und Pfeifen des Windstroms, der in das geschmolzene Erz wütend die Ohren betäubt und die Sinne verwircht, trieb uns endlich weg, um in Neukirch einzukeren, das an dem Berg hinaufgebaut ist.

Aber ungeachtet aller Manikfaltigkeit und Unruhe des Tages, konnte ich hier noch keine Rast finden. Ich überließ meinen Freund einem glücklichen Schlafe und suchte das höher gelegene Jagdschloß. Es blickt weit über Berg und Wälder hin, deren Umrissen nur an dem Heitern Nachthimmel zu erkennen, deren Seiten und Tiefen aber meinem Blick undurchdringlich waren. So näher als einsam stand das wohl erhaltene Gebäude, kein Kastellan, kein Jäger war zu finden.

Ich saß vor den großen Glastüren auf den Stufen, die um die ganze Terrasse hergehen, hier mitten im Gebirg über einer waldbewachsenen finsteren Erde, die gegen den Heitern Horizont einer Sommernacht nur noch finsterer erschien. Das brennende Sterngewölbe über mir saß ich an der verlassenen Stätte lange mit mir selbst und glaubte niemals, eine solche Einsamkeit empfunden zu haben.

Wie lieblich überraschte mich daher aus der Fahne der Ton von ein paar Waldhornern, der auf einmal wie ein Balsamduft die ruhige Atmosphäre belebte. Da erwachte in mir das Bild eines Holdenwesens, das vor den bunten Gestalten dieser Reisetage in den Hintergrund gewischen war. Es enthüllte sich immer mehr und mehr und trieb mich von meinem Platz nach der Herberge,

wo ich Anstalten traf, mit dem Frühsten abzureisen. Der Rückweg wurde nicht benutzt wie der Heerweg. So eilten wir durch zwei Brücken, das als eine schöne und merkwürdige Residenz wohl auch unsere Aufmerksamkeit verdient hätte. Wir warfen einen Blick auf das große, einfache Schloss,

auf die weitläuftigen, regelmäßig mit Lindenstemmen bepflanzten, zum Dressieren der Pafos-Ferde wohl eingerichteten Esplanaden, auf die großen Ställe, auf die Bürgerhäuser, welche der Fürst baute, um sie ausspielen zu lassen. Alles dieses, sowie Kleidung und Betragen der Einwohner,

besonders der Frauen und Mädchen, deutete auf ein Verhältnis in die Ferne und machte den Bezug auf Paris anschaulich, dem alles Überreinige seit geraumer Zeit sich nicht entziehen konnte. Wir besuchten auch den vor der Stadt liegenden, herzoglichen Keller, der weitläuftig ist, mit großen und künstlichen Fässern versehen.

Wir zogen weiter und fanden das Land zuletzt wie im Saarbrückischen, zwischen wilden und rauen Bergen, wenig Dörfer. Man verlarnt hier, sich nach Getreide umzusehen. Den Hornbach zur Seite stiegen wir nach Bitsch, das an dem bedeutenden Platz liegt, wo die Gewässer sich scheiden,

und ein Teil in die Saar, ein Teil dem Rheine zufällt. Diese Letzter sollten uns bald nach sich ziehen, doch konnten wir dem Städtchen Bitsch, das sich sehr malerisch um einen Berg herumschlingt und der oben liegenden Festung, unsere Aufmerksamkeit nicht versagen. Diese ist teils auf Felsen gebaut, teils in Felsen gehauen.

Die unterirdischen Räume sind besonders merkwürdig. Hier ist nicht allein hinreichender Platz zum Aufenthalt einer Menge Menschen und Vieh, sondern man trifft sogar große Gewölbe zum Exerzieren, eine Mühle, eine Kapelle und was man unter der Erde sonst fordern könnte, wenn die Oberfläche beunruhigt wurde.

Den hinabsturzenden Bächen folgten wir nunmehr durchs Bearental. Die dicken Wälder auf beiden Höhen sind unbenutzt. Hier faulen Stämme zu Tausenden übereinander und junge Sprösslinge keimen in Unzahl auf halbvermoderten Vorfahren. Hier kam uns durch Gespräche einiger Fußbegleiter

der Name von Dietrich wieder in die Ohren, den wir schon öfter in diesen Waldgegenden ehrenvoll hatten, aus Sprechen hören. Die Tätigkeit und Gewandheit dieses Mannes, sein Reichtum, die Benutzung und Anwendung desselben, alles erschien im Gleichgewicht.

Er konnte sich mit Recht des Erworbenen erfreuen, das er vermehrte und das Verdiente genießen, das er sicherte. Je mehr ich die Welt sah, je mehr erfreute ich mich, außer den allgemein berühmten Namen, auch besonders an denen, die in einzelnen Gegenden

mit Achtung und Liebe genannt wurden. Und so erfuhr ich auch hier bei einiger Nachfrage, gar leicht, dass von Dietrich früher als andere sich der Gebirgsschätze des Eisens, der Kohlen und des Holzes mit gutem Erfolg zu bedienen gewußt

und sich zu einem immer wachsenden Wohlhaben herangearbeitet habe. Niederbronn, wohin wir gelangten, war ein neues Zeugnis hiervon. Er hatte diesen kleinen Ort den Grafen von Leiningen und anderen Teilbesitzern abgekauft, um in der Gegend bedeutende Eisenwerke einzurichten.

Hier in diesen von den Römern schon angelegten Bädern umspürte mich der Geist des Altertums, mit dessen ehrwürdige Trümmer in Resten von Basreliefs und Inschriften, Säulenknäufen und Schäften mir aus Bauernhöfen zwischen wirtschaftlichem Wust und Geräte gar wundersam entgegenleuchteten.

So verehrte ich auch, als wir die nahe gelegene Vasenburg bestiegen an der großen Felsmasse, die den Grund der einen Seite ausmacht, eine gut erhaltene Inschrift, die dem Merkur ein dankbares Gelübt abstattet. Die Burg selbst liegt auf dem letzten Berge von Bitsch her gegen das Land zu. Es sind die Ruinen eines deutschen auf römische Reste gebauten Schlosses.

Von dem Turm übersah man abermals das ganze Elsas und des Münsters deutliche Spitze bezeichnete die Lage von Straßburg. Zunächst jedoch verbreitete sich der große Hagenauer Forst und die Turme dieser Stadt ragten dahinter ganz deutlich hervor. Dorthin wurde ich gezogen. Wir retten durch Reishofen,

wo von Dietrich ein bedeutendes Schloss erbauen ließ. Und nachdem wir von den Hügeln bei Niedermodern den angenehmen Lauf des Modervlüsschens am Hagenauer Wald her betrachtet hatten, ließ ich meinen Freund bei einer lächerlichen Steinkohlengrubenvisitation, die zu Dudweiler freilich etwas ernsthafter wurde, gewesen sein,

und ret durch Hagenau auf Richtwegen, welche mir die Neigung schon andeutete nach dem geliebten Sesenheim. Denn jene sämtlichen Aussichten in eine wilde Gebirgsgegend und so dann wieder in ein heiteres, fruchtbares, fröhliches Land konnten meinen inneren Blick nicht fesseln,

der auf einen liebenswürdigen, anziehenden Gegenstand gerichtet war. Auch diesmal erschien mir der Heerweg reizender als der Hinweg, weil er mich wieder in die Nähe eines Frauenzimmers brachte, der ich von Herzen ergeben war, und welche so viel Achtung als Liebe verdiente.

Mir sei jedoch, ehe ich meine Freunde zu ihrer ländlichen Wohnung führe, vergönnt, eines Umstandes zu erwähnen, der sehr viel beitrug, meine Neigung und die Zufriedenheit, welche sie mir gewährte, zu beleben und zu erhöhen. Wie sehr ich in der neuen Literatur zurück sein mußte,

läßt sich aus der Lebensart schließen, die ich in Frankfurt geführt, aus den Studien, denen ich mich gewidmet hatte, und mein Aufenthalt in Straßburg konnte mich darin nicht fordern. Nun kam Herder und brachte neben seinen großen Kenntnissen noch manche Hilfsmittel und überdies auch neuere Schriften mit.

Unter diesen kündigte er uns den Landpriester von Wakefield als ein für treffliches Werk an, von dem er uns die deutsche Übersetzung durch selbsteigne Vorlesung bekannt machen wolle. Seine Art zu lesen war ganz eigen. Wer ihn predigen gehört hat, wird sich davon einen Begriff machen können.

Er trug alles und so auch diesen Roman ernst und schlicht vor. Völlig entfernt von aller dramatisch-mimischen Darstellung vermied er sogar jene Manikhaltigkeit, die bei einem epischen Vortrag nicht allein erlaubt ist, sondern wohl gefordert wird. Eine geringe Abwechslung des Tons, wenn verschiedene Personen sprechen,

wodurch das, was eine jede sagt, herausgehoben und der Handelnde von dem Erzählenden abgesondert wird. Ohne monoton zu sein, ließ Herder alles in einem Ton hintereinander folgen, eben als wenn nichts gegenwärtig, sondern alles nur historisch wäre. Als wenn die Schatten dieser poetischen Wesen nicht lebhaft vor ihm wirkten, sondern nur sanft vorübergleiteten.

Doch hatte diese Art des Vortrags aus seinem Munde einen unendlichen Reiz. Denn weil er alles aufs tiefste Empfand und die Manikhaltigkeit eines solchen Werkes hochzuschätzen wusste, so trat das ganze Verdienst einer Produktion rein und umso deutlicher hervor, als man nicht durch scharf ausgesprochene Einzelheiten gestört und aus der Empfindung gerissen wurde, welche das Ganze gewähren sollte.

Ein protestantischer Landgeistlicher ist vielleicht der schönste Gegenstand einer modernen Idylle. Er erscheint wie Melchisedek als Priester und König in einer Person. An den unschuldigsten Zustand, der sich auf Erden denken lässt, an den des Ackermanns, ist er meistens durch gleiche Beschäftigung sowie durch gleiche Familienverhältnisse geknüpft. Er ist Vater, Hausherr, Landmann und so vollkommen ein Glied der Gemeine.

Auf diesem reinen, schönen, irdischen Grunde ruht sein höherer Beruf. Ihm ist übergeben, die Menschen ins Leben zu führen, für ihre geistige Erziehung zu sorgen, sie bei allen Hauptepochen ihres Daseins zu segnen, sie zu belehren, zu kräftigen, zu trösten. Und wenn der Trost für die Gegenwart nicht ausreicht, die Hoffnung einer glücklicheren Zukunft heranzurufen und zu verborgen, denke man sich einen solchen Mann mit rein menschlichen Gesinnungen stark genug,

um unter keinen Umständen davon zu weichen und schon dadurch über die Menge erhaben, von der man Reinheit und Festigkeit nicht erwarten kann. Gebe man ihm die zu seinem Amte nötigen Kenntnisse, sowie eine heitere, gleiche Tätigkeit, welche sogar leidenschaftlich ist, indem sie keinen Augenblick versäumt, das Gute zu wirken, und man wird ihn wohl ausgestattet haben.

Zugleich aber füge man die nötige Beschränktheit hinzu, dass er nicht allein in einem kleinen Kreise verharren, sondern auch allenfalls in einen kleineren übergehen möge. Man verleihe ihm Gutmütigkeit, Versöhnlichkeit, Standhaftigkeit, und was sonst noch aus einem entschiedenen Charakter Löbliches hervorspringt, und über dies alles eine heitere Nachgiebigkeit und läschende Duldung,

Eigner und Fremder Fehler. So hat man das Bild unseres trefflichen Wegfühlt so ziemlich beisammen. Die Darstellung dieses Charakters auf seinem Lebensgange durch Freuden und Leiden, das immer wachsende Interesse der Fabel durch Verbindung des ganz Natürlichen mit dem Sonderbaren und Seltsamen, macht diesen Roman zu einem der Besten, die je geschrieben worden,

der noch überdies den großen Vorzug hat, dass er ganz sittlich, ja im reinen Sinne christlich ist. Die Belohnung des guten Willens, des Beharrens bei dem Rechten darstellt, das unbedingte Zutrauen auf Gott bestätigt und den endlichen Triumph des Guten über das Böse beglaubigt, und dies alles ohne eine Spur von Frommelai und Pedantismus. Vor beiden hatte den Verfasser der Hohe Sinn bewahrt, der sich hier durchgängig als Ironie zeigt,

wodurch dieses Werkchen uns ebenso weise als liebenswürdig entgegenkommen muss. Der Verfasser Dr. Goldsmith hat ohne Frage große Einsicht in die moralische Welt, in ihren Wert und in ihre Gebrechen, aber zugleich mag er nur dankbar anerkennen, dass er ein Engländer ist und die Vorteile, die ihm sein Land, seine Nation darbietet, hoch anrechnen. Die Familie, mit deren Schilderung er sich beschäftigt, steht auf einer der letzten Stufen des bürgerlichen Behagens,

und doch kommt sie mit dem Höchsten in Berührung. Ihr enger Kreis, der sich noch mehr verengt, greift durch den natürlichen und bürgerlichen Lauf der Dinge in die große Welt mit ein. Auf der reichen, bewegten Woge des englischen Lebens schwimmt dieser kleine Kahn, und in Wohl und Weh hat er Schaden oder Hilfe von der ungeheuren Flotte zu erwarten, die um ihn her segelt. Ich kann voraussetzen, dass meine Leser dieses Werk kennen und im Gedächtnis haben.

Wer es zuerst hier nennen hört, sowie der, welcher aufgeregt wird, es wiederzulesen, beide werden mir danken. Für jene bemerke ich nur im Vorübergehen, dass des Land geistlichen Hausfrau von der tätigen guten Art ist, die es sich und den Irrigen an nichts fehlen lässt, aber auch dafür auf sich und die Irrigen etwas einbildig ist. Zwei Töchter, Olivier, schön und mehr nach außen, Sophie, reizend und mehr nach innen gesinnt, einen fleißigen, dem Vater nacheiferten, etwas haben, Sohn, Moses, will ich zu nennen, nicht unterlassen.

Ende von 2. Teil, 10. Buch, Teil 4

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